April, April?

Natürlich verkaufen wir keine Oktoberfest-Experiences und die Stadt nicht ihre Wiesn. Wir haben jedoch den Eindruck, dass momentan etwas ins Rutschen gerät. Ein paar Beispiele gefällig? Obwohl es in den Betriebsvorschriften verboten wird, Menübestellungen vor einer rechtsverbindlichen Reservierungsbestätigung abzufragen, tun manche Wirte ebendies, sogar noch bevor man überhaupt seine Adresse angeben kann. Große Reservierungskontingente werden an Veranstaltungsagenturen abgegeben, die diese wiederum mit horrenden Aufschlägen weiterverkaufen, und durch die Kopplung an andere Leistungen können sogar die Wirte selbst die Höchstreservierungsgebühr von 1,50 € pro Person mit dem Segen der Stadt umgehen.

Wir möchten uns zwar nicht allzu wichtig nehmen, aber dennoch die Gelegenheit nutzen, an alle, für die dieses wunderbare Fest mehr als nur ein wunderbares Geschäft ist, insbesondere an den Stadtrat, das Wirtschaftsreferat und das Rathaus, zu appellieren: Lasst dieses schönste Fest der Welt, das kulturelle Aushängeschild der Stadt, nicht vor die Hunde gehen. Mehrgängemenüs, Champagnerexzesse, wachsende Reservierungskontingente, Reservierungsgebühren und einiges mehr tun der Wiesn nicht gut. Es hat in den letzten Jahren einige sinnvoll erscheinende Ansätze gegeben, den Identitätsverfall zu bremsen, doch ist auch die beste Regel nur dann sinnvoll, wenn sie auch umgesetzt wird, nicht zuletzt, wenn sie vom Stadtrat beschlossen wurde. Rufschädigend sind ausufernde Reservierungsangebote übrigens noch mehr, wenn sie nicht von zwielichtigen Wiederverkäufern stammen, sondern von Wirten selbst.

In diesem Sinne: April, April!

Im Vorjahr haben wir übrigens den Giesingerbräu auf die Wiesn geschrieben.